2014 - Sanierung unserer Wohnung


Die Sanierung unserer eigenen Wohnung konnte endlich beginnen als das Haus soweit gesichert war. Unser Ziel: wir wollten bis Dezember 2014 aus unserem Notquartier in unsere eigene Wohnung ziehen und dort Weihnachten feiern!

Der Zeitplan war sehr eng, denn es war eine grundlegende Sanierung über alle Gewerke hinweg erforderlich. Also machten wir was jeder Bauherr in so einer Lage tut: wir erstellten einen ordentlichen Plan und saubere Grundrisse für alle Gewerke.


Bauplanung

Was wir aber als erstes lernen mussten: ein Plan ist bei einem solchen Haus nur eine grobe Richtlinie, eine "Empfehlung für den Anfang". Denn letztendlich richteten sich die nächsten Arbeiten immer danach welche Überaschungen wir hinter Tapeten, Putz und Verkleidungen vorfanden. Insbesondere die Elektrik und die Wasserleitungen waren eine große Herausforderung. Wir entdeckten z.B. viele alte Aluminiumverkabelungen die komplett ersetzt werden mussten. Oder hinter einer geplanten Abwassserinstallation fanden sich denkmalrelevante Gebäudeteile und wir mussten den Verlauf wieder umplanen.

Immer wieder verschoben sich  Arbeiten deswegen um Wochen nach hinten. Innerhalb weniger Tage mussten wir die Steuerung der Baustelle daher umstellen. Von "Plan und Grundriss" auf "was haben wir denn heute wieder entdeckt und was machen wir jetzt daraus".


Wände, Putz, Stuck

Nur schrittweise ging es vorwärts. Wir wunderten uns zuerst warum an so riesigen Flächen der Putz herunterbröckelte. Aber dann fanden wir heraus dass bei vorherigen Sanierungen leider falsche Baustoffe und Verfahren verwendet wurden die sich mit dem Originalputz und dem Mauerwerk nicht vertrugen. Diese Flächen mussten bis aufs Mauerwerk abgeklopft und mit den historisch richtigen Materialien erneuert werden, z.B. Lehmputz und Kalkfarben.


Badezimmer

Der Raum für unser zukünftiges Bad war in drei kleine Kammern unterteilt, das originale Fenster war verschwunden, dafür zwei kleine Fenster eingebaut. Die Trockenbauwände mussten wir erst einmal abreissen um die ursprüngliche Aufteilung wieder herzustellen. Immer so vorsichtig dass der historische Stuck nicht noch mehr in Mitleidenschaft gezogen wurde. Nach dem Abriss bot sich uns ein Bild das uns fast verzweifeln liess. Wie sollte hier jemals wieder ein schöner Raum und ein modernes gemütliches Bad entstehen?

Aber nach dem Abriss im Inneren konnten wir auch die zwei falschen kleinen Fenster entfernen und wieder ein neues historisch richtiges Fenster an die ursprüngliche Stelle einbauen. Und was für ein Glück; die ursprüngliche Fensterbank aus Sandstein war noch vorhanden!


Fußböden

Jede Generation hatte auf den Fußböden die Spuren ihrer jeweiligen Epoche hinterlassen. Über die Jahrzehnte wurde immer wieder mit dem damals jeweils modernen Material eine Schicht aufgebaut und die Türen entsprechend abgesägt.

Diese Schichten wurden nun ganz vorsichtig eine nach der anderen wieder abgetragen. Auf dem Weg dorthin kamen weitere Überraschungen zum Vorschein, wie Löcher, Fehlstellen, Nässeschäden.

Aber was für eine Freude als wir auf der untersten Schicht ankamen: die alten Schlossdielen waren noch weitgehend erhalten! Diese Dielen sind über 11 Meter lang - das waren wirklich große Bäume! Dieses Holz ist weit über 200 Jahre alt.

Die Fehlstellen wurden mit originalen Dielen ausgebessert, es wurde alles abgeschliffen und eingeölt. Heute zeigen sie sich wieder in all ihrer Pracht, in honigfarbenem Glanz, und tragen mit Stolz die Spuren der Jahrhunderte.


Türen

Nach diesen grundlegenden Massnahmen ging es aber erst richtig los: den wunderschönen Flügeltüren hatten Menschen und Zeit Schlimmes angetan. Abgesägt, zerschlagen, durchlöchert, und die schönen Details hinter Dutzenden von Farbschichten verborgen. Jeder einzelne Türflügel wurde vom Tischler aufwendig restauriert und die Mechanik wieder gangbar gemacht.

Wo immer möglich restaurierte der Tischler was an Substanz noch vorhanden war. Was fehlte musste nach den historischen Vorlagen reproduziert werden. Obwohl im Laufe der Jahrzehnte einige Türen, Türzargen, Kassetten und Fussleisten verloren gingen blieb glücklicherweise doch vieles erhalten.


Fensterbänke

Als wir ankamen gab es leider nur noch im Vestibül 2 originale Fensterbänke. Alle anderen waren im Lauf der Jahrzehnte verschwunden. Sie waren durch alle möglichen Konstruktionen ersetzt. Von Holz, über Fliesen und Beton, es war alles dabei. Am meisten wurden Pressspanplatten verwendet.Alle Fensterbänke haben wir komplett durch historisch korrekte Nachbauten ersetzt.


Historische Details

Überall wurde sehr sorgfältig mit Bedacht gearbeitet. Immer wieder mussten wir die Arbeiten unterbrechen und aufmerksam hinsehen um ja keinen der noch so kleinen Hinweise auf die wunderschönen historischen Details zu übersehen. So haben wir an den Säulen im Vestibül im Erdgeschoss diese Schmuckkanten entdeckt und in aufwendiger Arbeit wieder freigelegt oder rekonstruiert.

Oder die Türknaufe aus Ebenholz, die Fussleisten, der Intarsienboden im Vestibül, die Säulenschränke, die Deckengewölbe, die wunderschönen Rundbogenfenster, oder oder oder - unzählige Details wurden nach und nach herausgearbeitet und lassen die Räume wieder in ihrer ursprünglichen Schönheit erstrahlen.


Es war unglaublich knapp. Und natürlich war nicht alles war fertig. Aber - wir hatten schließlich unser Ziel erreicht! Am 20.12.2014 zogen wir in unsere eigene Wohnung und konnten dort mit unserer Familie Weihnachten feiern.